Die AfD möchte über den Schutz von Kindern sprechen. Gut so!
Lassen Sie uns darüber sprechen, dass in diesem Land jeden Tag 54 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch werden, drei Viertel davon Mädchen, und die meisten verübt von Vätern, Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten.
Lassen Sie uns darüber sprechen, dass jeden Tag in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Expartner ermordet wird – weil sie eine Frau ist und der Mann glaubt, sie zu besitzen.
Lassen sie uns über die polizeilich erfassten Morde an Transpersonen sprechen, zu 95 Prozent Transfrauen, überwiegend migrantisch und in der Sexarbeit tätig.
Lassen Sie uns über die sprechen!
Stattdessen geben Sie sich kruden Argumentationen hin und versuchen, die am stärksten von Gewalt betroffenen Menschen gegeneinander auszuspielen. Sie befeuern den Hass.
Und die Union?
Sie fordern Listen: Listen für psychisch Kranke, Listen für Eingewanderte. Warum nicht gleich rosa Listen?
Und wenn ein bekannter Kollege aus der Union sagt, er sei „schwul und nicht queer“ – ja, meint der denn, das würde ihn eines Tages schützen?
Können wir bitte einmal innehalten und uns klarmachen, was hier gerade los ist in diesem Land? Können wir uns bitte einmal bewusst machen, wie weit wir uns in den Debatten schon von der Menschlichkeit entfernt haben?
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ – Wir sollten uns dieser Tage häufiger mal an diesen Grundsatz erinnern – nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch in den konkreten Debatten um Regelungen, die das Zusammenleben in diesem Land organisieren.
Quelle: Plenarprotokoll 20/211 (PDF) ↗ · Zwischenrufe und Beifall sind im Text nicht enthalten.